Jul
01
2009

Fernsehbefehl: “Durch die Nacht mit…”

Gestern habe ich an unserem WG-Tisch feierlich verkündet, dass ich heute der Blog-Schreibblockade hier auf Acker & Vieh ein Ende setze und was bei uns am WG-Tisch verkündet wird, muss auch tunlichst umgesetzt werden. Eigentlich hatte ich vor drei Themen anzuteasen, denen ich mir in den nächsten Tagen annehmen werde, aber da ist mir noch was aktuelles dazwischen gekommen, nömlich ein Programmhinweis.

Das Arte-Format “Durch die Nacht mit…” sollte einigen Leuten bekannt sein, fast schon legendär gilt die Folge in der Michelle Friedmann und Christoph Schlingensief aufeinandertreffen. Aber auch die Folge mit Adam Green und Carl Barat oder Bryan Ferry und dem etwas anstrengenden Dieter Meier (Yello) fallen mir da spontan ein, als leuchtende Sterne am doch recht häufig Wolken verhangenen Fernsehhimmel.

Morgen (Donnerstag, 02.07.2009) Abend um 23:50 läuft allerdings eine neue Folge diesmal treffen sich, und hier wird es auch für Acker & Vieh interessant, zwei Spieldesigner. Zum einen der 58jährige Chris Crawford, bei dem ich gestehen muss, dass mir sein Name erstmal nichts sagt, mir wurde allerdings aus sicherer Quelle bestätigt, dass der Mann visionäres im Bereich Spieldesign geleistet hat. Beim anderen Herren handelt es sich um Jason Rohrer, Mr Rohrer hat 2007 mit dem kleinen Indiegame Passage (sollte man unbedingt mal spielen, sehr schönes Spiel) für einiges Aufsehen gesorgt.
Gefilmt wurde das Treffen anlässlich der Game Developers Conference 2009, die beiden unterhalten sich unter anderem über das alte und oft beackerte Thema Videospiele als Kunst – und ihre Fazit der aktuellen Lage ist scheinbar nicht sonderlich positiv.

Bestimmt eine sehr sehenswerte Sendung und vielleicht auch nicht nur für Videopspielefans spannend.

Im Anschluss findet ihr noch den Infotext direkt von der Arte-Seite.

Durch die Nacht mit …
Chris Crawford und Jason Roher

Donnerstag, 2. Juli 2009 um 23.50 Uhr
Wiederholungen:
17.07.2009 um 05:00
Durch die Nacht mit …
(Deutschland, 2009, 52mn)
ZDF
Regie: Hasko Baumann

Chris Crawford, 58, legendärer Computerspieldesigner und scharfer Kritiker der heutigen Game-Industrie, trifft bei der Game Developers Conference in San Francisco auf Wunderkind Jason Rohrer, 31, der mit seinen metaphorischen Computerspielen innovative Wege verfolgt.

Computer- und Konsolenspiele – das ist ein Markt, der heute um ein vielfaches mehr Geld abwirft als jeder andere audiovisuelle Medienbereich. Schon längst hat die Spieleindustrie das Musik- und Filmgeschäft weit hinter sich gelassen. Die Welt der Games hat eine derartige Popularität erreicht, dass die Branche in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht nur bestehen, sondern sich sogar über Zuwächse freuen kann.
Auf der einen Seite müssen brutale Ego-Shooter als Sündenbock für Amokläufe an Schulen herhalten; in ihnen sieht man den Trigger für Gewaltphantasien, in harmloseren Spielen für die ganze Familie lauert hingegen die Degeneration des kommunikativen Miteinanders. Auf der anderen Seite beeinflusst die immer perfekter realisierte Ästhetik von Computerspielen die Bilderwelten von Werbung, Fernsehen und Kino. Die fast grenzenlos begehbaren künstlichen Welten der Games verändern schon jetzt unseren Blick auf unser Leben.
“Durch die Nacht mit …” wagt sich auf dieses Terrain und hat sich zwei außergewöhnliche, exzentrische Lichtgestalten der Spieleindustrie ausgesucht, um den Geheimnissen dieser Welt auf den Grund zu gehen – und den Zuschauer mit auf die Reise zu nehmen.
Bei der Game Developers Conference, dem größten Branchenevent der Welt, begegnen sich Chris Crawford und Jason Rohrer. Crawford hat die Conference 1987 gegründet; in einer Zeit, in der er als Designer von strategischen Computerkriegsspielen große Erfolge feierte. Vom Mangel an Innovativität in der Branche enttäuscht, zog er sich 1992 mit der exzentrischen, berüchtigten “Drachen-Rede” aus der Industrie zurück und tüftele seither an “Interactive Storytelling”. Mit der Computersimulation “Balance of Power 2K” läutet er nun sein Comeback ein. Jason Rohrer gilt als junges Genie. Mit metaphorischen Computerspielen wie “Passage” und “Between” führt er die Games vom visuellen Overkill zurück zu vielschichtigen, psychologischen Fragestellungen.
Die Meinung dieser zwei zu manchen Themen ist so unterschiedlich wie ihre Körpergröße, aber die gemeinsame Sehnsucht nach der Revolution in der Games-Industrie führt sie zusammen. In San Francisco diskutieren sie ihre Ideen, ihr Werk, blicken zurück auf die Meilensteine der Computerspielgeschichte und wagen Prognosen für die Zukunft. Ein erstaunlich philosophischer Abend, der die Welt der Videogames von einer ganz anderen Warte betrachtet.

(arte.tv)

2 Comments »

  • mawyn

    Hurra. Nachdem antigames von uns gegangen ist, seid ihr eine echte Hoffung. Macht weiter! Anspruchsvolle Spielekultur gibts im Moment so ein bisschen wenig.

    Comment | 07.02.09
  • vielen dank für das lob, ich versuche jetzt wirklich wieder öfters zu schreiben, trotz chronischer zeitknappheit. aber ich hab schon 3 weitere themen in der hinterhand, für die gamescom sind wir akkreditiert – also material haben wir bestimmt für die nächste zeit

    Comment | 07.02.09

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