Feb
07
2010

Demo Donnerstag: Heavy Rain

Heavy Rain

Offiziell erscheint die Demo für Sonys Thriller erst am kommenden Donnerstag, aber durch fiese Tricks1, danke Internet, war sie für einige Leute schon in dieser Woche verfügbar. Natürlich habe ich mich von der Anwendung fieser Tricks nicht davon abhalten lassen an die Demo zu kommen.

Die Demo besteht aus einem Tutorial, das einem die Steuerung nahe bringen soll, und 2 Spielszenen. Das gesamte Spiel wird scheinbar in diverse Szenen aufgeteilt werden in denen Ihr die Kontrolle über vier verschiedene Charaktere übernehmen werdet. In der ersten Szene der Demo schlüpft Ihr in die Rolle des Privatdetektivs Scott Shelby. Shelby ist ein etwas in die Jahre gekommener Schnüffler, der unter Asthma leidet. In der Spielszene begibt er sich in ein runtergekommenes Hotel um eine Zeugin, Lauren Winter, zu befragen. Der Sohn der Frau zählt zu den Opfern des Origamikillers. der in der scheinbar namenlosen US-Ostküstenstadt sein Unwesen treibt.

Auf dem Rückweg aus dem Hotel bekommt Shelby einen Asthmaanfall, nachdem er sich davon erholt hat2, wird er Zeuge wie ein Freier Lauren bedroht und hinter verschlossener Tür scheinbar verprügelt. Es liegt am Spieler der Frau zu helfen oder nicht.
HeavyRain2
In der zweiten Szene spielt Ihr den jungen FBI-Agenten Norman Jayden, der weitaus weniger sympathisch daher kommt als Scott Shelby. Man kann Ihn sich ungefähr als eine Mischung aus Agent Dale Cooper und Fox Moulder in schnöselig vorstellen. Jayden soll einen Tatort untersuchen an dem ein mutmaßliches Opfer des Origamikillers gefunden wurde. Nach den üblichen Kabbeleien zwischen Polizei und FBI (’Ihr Männer zertrampeln mir die Beweis’ vs ‘Wir kommen auch ohne die Hilfe des FBIs klar’) macht sich Jayden daran den Tatort zu untersuchen.

Die große Frage ist natürlich, wie spielt sich das Ganze. Ist es tatsächlich eine bloße Aneinanderreihung von Quick Time Events oder ist es die große Revolution der Spielebranche ?

Kurz gesagt, trifft beides nicht zu. Das Spiel ist tatsächlich um einiges komplexer als “drücke die richtige Taste im richtigen Moment”, aber ob hier die Art und Weise wie und was in Videospielen erzählt wird, neu erfunden wird wage ich zu bezweifeln, auch wenn die Demo alleine hier nur ahnen lässt.

Die Steuerung der Figuren geht nach einer kurzen Eingewöhnung ganz gut von der Hand. Per Tastendruck bewegt sich euer Charakter in die Richtung in die er schaut. Diese ‘Panzer’-Steuerung ermöglicht dem Spiel verschiedene Kameraeinstellungen einzunehmen, ähnlich wie bei den alten Resident Evil-Spielen. Mit einer anderen Taste könnt Ihr die Gedanken eurer Figur hören, dadurch erhaltet ihr Hinweise, nicht nur darüber was Ihr als nächstes zu tun habt, sondern auch über das Wohlbefinden eurer Figur. Ähnlich wie in Gesprächen schwirren dann mit den Tastensymbolen versehene Stichworte um die Figur. Drücke X und Ihr hört was Jayden über den Regen denkt, zum Beispiel.

Das ist ganz schick umgesetzt und gar nicht so störend, wie man sich das vielleicht denkt. Leider sind Kreis und Viereck etwas zu schwer zu unterscheiden3. Ansonsten funktioniert das System ganz gut. Andere Tätigkeiten, wie an einer Tür klopfen oder sich eine Brille auf-oder abzusetzen, erledigt Ihr mit dem rechten Analogstick, in dem grob die gewünschte Bewegung nachgeahmt wird. Nach unten um sich zu bücken, einen Halbkreis nach unten ziehen um die Brille abzusetzen. Auch hier funktioniert die Steuerung einwandfrei. Bei für die Figur schwierigen Aktionen, wie zum Beispiel das erklimmen eines Hügels oder sich an einem Hindernis vorbeischieben, muss eine angegebene Tastenkombination gehalten werden. Dabei soll die Kombination möglichst unangenehm für den Spieler sein um die Anstrengung der Spielfigur nachzuempfinden. Klingt vielleicht erstmal doof, im Spiel erscheint es allerdings äußerst passend und gar nicht so nervig wie man sich das vielleicht denkt.

HeavyRain3
Handfeste Auseinandersetzungen, wenn man sich als Scott Shelby dazu entscheidet zu helfen, sind dann tatsächlich als Quick Time Events umgesetzt. Dabei gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied zu Spielen wie Shenmeu oder God of War. Eine verpasste oder falsch eingegebene Taste führt nicht dazu, dass die Szene wiederholt werden muss. Generell gibt es bei Heavy Rain, so gesehen, keine zweite Chance4. Der Kampf zwischen Shelby und dem Freier ist spannend und cineastisch umgesetzt und spielt sich auch dementsprechend spannend.

In wie fern sich verschiedene Spielweisen auf den Verlauf der Handlung auswirken kann man anhand der Demo nicht wirklich einschätzen. Die Szene mit FBI Agent Jayden ist recht linear ausgerichtet, man könnte theoretisch einige Beweisstücke bei der Untersuchung übersehen, ob das dann Folgen für den weiteren Spielverlauf hat, kann man nur hoffen. In der Szene mit Shelby gibt es definitiv verschiedene Wege, man kann der Schlägerei ganz aus dem Weg gehen, man kann sie gewinnen oder richtig vermöbelt werden. Die Informationen, die man von der Zeugin Lauren Winter bekommt, sind allerdings die gleichen, auch hier bleibt zu hoffen dass es sich auf den weiteren Spielverlauf auswirkt, wenn man Verletzungen in der Schlägerei davon trägt.

Egal, ob sich die Spielweise auf den Verlauf der Geschichte auswirkt, mir scheint, dass man am meisten Spaß mit Heavy Rain haben kann, wenn man es als Rollenspiel begreift. Jetzt nicht im Sinne eines Schwert+4-Schaden-Rollenspiels, sondern, dass man die beste Erfahrung mit dem Spiel macht, wenn man die Figuren in character spielt. Zum Beispiel kann man sich bei der Vernehmung von Lauren Winter an ihr Bett oder auf die Kommode lehnen. Das hat natürlich keinen spielerischen Mehwert, verleiht der Szene und der Figur von Scott Shelby allerdings mehr Tiefe.

Erst durch solche Kniffe kann auch das Motto des Spiels “Wie weit würdest Du gehen, um jemanden zu retten, den Du liebst?” auch eine Bedeutung für den Spieler ergeben. Identifikation oder Sympathisieren mit den Figuren ist, so glaube ich, eine Grundvoraussetzung um das Spiel zu genießen. Und hier, muss ich sagen, hat Entwickler Quantic Dreams einiges richtig gemacht. Die Atmosphäre ist sehr stimmig eingefangen und erinnert nicht zufällig an den Film Sieben. Die beiden vorgestellten Spielfiguren sind gut getroffen und durchaus sympathisch (Norman Jaydens Arroganz wird dadurch gebrochen, dass seine Gedanken, die wir als Spieler ja hören können, auch eine große Unsicherheit ausdrücken). Man kann nur hoffen, dass die Geschichte um den Origamikiller auch genug Substanz hat, den Spieler auch über die gesamte Spielzeit zu fesseln. Die gerade erschienene Demo lässt jedenfalls auf das Beste hoffen.


1 Die vorzeitige Demo war eigentlich eine Belohnung für die Teilnehmer des Internetspiels “Vier Tage”. Allerdings wurde die Lösung z. B. hier ins Internet gestellt. Der Ansturm auf die Seite war dann übrigens so groß, dass sie erstmal zusammen gebrochen ist

2 Ich muss die Demo übrigens nochmal spielen und dann einfach das Asthmaspray nicht benutzen umzu schauen was passiert. Es spricht aber für das Spiel, dass ich erst jetzt auf die Idee komme es nicht zu benutzen

3 Ich habe jetzt keinen riesigen Fernseher, auf einem Röhrenfernseher könnte es allerdings tatsächlich unspielbar sein

4 Sollte zum Beispiel eine der Figuren in einer Auseinandersetzung sterben, so geht das Spiel trotzdem weiter, nur dass Ihr auf diesen Storystrang verzichten müsst

Written by Christian in: Demo Donnerstag | Tags: , , , , , ,

2 Comments »

  • Also wäre das Spiel vielleicht ein Kaufargument für eine PS 3?

    Comment | 02.09.10
  • schwer zu sagen. meiner meinung nach gibt es einige kaufargumente für die ps3. bei heavy rain hängt vieles von der story ab und das kann man dann natürlich erst am kompletten spiel beurteilen. die ersten reviews sehen allerdings ganz vielversprechend aus. trotzdem ist es bestimmt nicht für jedeN, also am besten mal antesten…

    Comment | 02.09.10

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